1. Teil
Die Wahrheit über die Ha Long-Bucht
Wer glaubt, die Ha Long-Bucht wäre bereits touristisch ausgelastet, den müssen wir hier eines besseren belehren. Die Ha Long-Bucht ist bereits touristisch am Limit! Und so stehen wir mit unserer Reisegruppe nicht vor 50-60 Booten (wie naiverweise gedacht), sondern vor vielen hunderten von Schiffen, so dass wir vom Pier aus vor lauter Schiff gar keine Felsen entdecken können. Wie die Schafe zur Schlachtbank werden die Touristenströme zu ihrem jeweiligen Dampfer getrieben, von denen einer dem anderen wie eine schlechte Holzkopie gleicht. Nachdem wir unser Zimmer (in optimaler Hörweite zum "lieblich" summenden Schiffsmotor) bezogen haben, legen wir schon ab und bekommen genau dann unser Mittagessen serviert, wenn wir die ersten Felsen passieren und uns die Ha Long-Bucht eigentlich willkommen heißen will. Um uns möglichst lange im Schiffsbauch festzuhalten und uns von der faszinierenden Naturkulisse fernzuhalten, werden uns zum Nachtisch klitzernde Perlen zum Kauf feilgeboten. Ein freundliches "Nein, danke" reicht natürlich nicht aus, und so lassen wir 15 Minuten "Shopping TV" im Schiffsrestaurant über uns ergehen, während draussen eines der größten Naturschauspiele der Erde an uns vorüberzieht...
2. Teil
Die ganze Wahrheit über die Ha Long-Bucht:
Wir haben wirklich riesiges Glück mit unserer Tour. Nachdem wir uns aus den hunderten von Anbietern endlich für einen entschieden haben, wird sich im Laufe unserer Exkursion herausstellen, dass wir einen echten Glücksgriff getan haben. Unser Guide ist ein wahrer Sonnenschein und findet immer wieder die perfekte Balance zwischen freundlicher Animation und unaufdringlicher Zurückhaltung. Zudem spricht er wirklich gutes Englisch und versorgt uns mit wertvollen Informationen zur Bucht. Unsere Zimmer sind tatsächlich so luxuriös wie im Reisekatalog angeboten, und das bereits erwähnte Mittagessen ist fantastisch (Fisch, Calamaris, Scampis, Hühnchen, verschiedenstes Gemüse, Salate, Obst, Reis, Pommes u.s.w.... Alles in Hülle und Fülle und auf raffinierte Art und Weise zubereitet). Wir sitzen direkt an den großen Panoramafenstern, so dass wir Natur und Gaumenfreuden synchron genießen können, und verstehen uns prächtig mit dem holländischen Pärchen, das uns gegenüber sitzt...
Nur allein haben wir die Ha Long-Bucht wirklich nicht für uns. Unzählige Schiffe begleiten uns auf unserer Exkursion, die sich in erster Linie als wahre Luxuskreuzfahrt herauskristallisiert, weniger als vielleicht erhofftes, unberührtes Naturabenteuer.
3. Teil
Die reine Wahrheit über die Ha Long-Bucht:
Kurz nach der Besiedlung der Küstengebiete im Norden Vietnams wurde die Landbevölkerung von reichen Invasoren aus dem Norden bedroht, die mit mächtigen Kriegsschiffen vor der Küste lagen. Der Himmel schickte eine Drachenmutter mit ihren Jungen, die hunderte von glitzernden Edelsteinen auf die Angreifer spuckten. Die Edelsteine verwandelten sich im Salz des Meeres in mächtige Steinriesen und versperrten den Eindringlingen den Weg. Eingeschlossen in einem magischen Wald aus Felsen verloren die Fremden die Orientierung und zerschellten mit ihren Booten an den steil aufragenden Klippen in tausend Stücke.
Die Drachenmutter und ihre Jungen verliebten sich in diese neu geschaffene Welt und bauten ihre Nester auf den hochaufragenden Inseln, die Mutter in der Ha Long (übersetzt: absteigender Drache); die Kinder in der nahegelegenen Bai Tuh Long-Bucht. So verschenkte der Himmel einen Teil seines Reiches auf die Erde und die Fabelwesen kehrten niewieder in ihre alte Heimat zurück.
Die Drachenmutter und ihre Jungen verliebten sich in diese neu geschaffene Welt und bauten ihre Nester auf den hochaufragenden Inseln, die Mutter in der Ha Long (übersetzt: absteigender Drache); die Kinder in der nahegelegenen Bai Tuh Long-Bucht. So verschenkte der Himmel einen Teil seines Reiches auf die Erde und die Fabelwesen kehrten niewieder in ihre alte Heimat zurück.
(landläufige Legende)
Noch heute scheinen die Steinriesen auf magische Art und Weise aus einer anderen Welt zu sein. Selbst die Vielzahl der Boote scheinen ihrer ursprünglichen und märchenhaften Ausstrahlung nichts anhaben zu können. Und so verlieren sich langsam die Touristenboote aus unseren Augenwinkeln, und vor uns eröffnet sich ein Panorama aus vergangenen Zeiten. Im weißen Nebel tauchen immer wieder neue Felsen aus dem Nichts auf, und es scheint für einen Bruchteil einer Sekunde, als würde ein Drache die schroffen Felswände entlang huschen. Bei Sonne reflektieren die verschiedenen Gesteine in schillernden Farben und erzählen von ihrer Kindheit, und so geschieht es, dass der Anblick des seltsam lebendig wirkenden Inselwaldes uns für einen kurzen Augenblick der Realität entzieht und mit jenem Gefühl von Unendlichkeit erfüllt, wie es sonst nur der Blick in die Sterne vermag.
Und so müssen wir unsere Suche mit einem Zitat benden, welches auf den ersten Blick
sehr kitschig erscheinen mag, welches wir aber zu Gunsten der Wahrheitsfindung dennoch gebrauchen möchten: „Die Ha Long-Bucht ist der Ort, an dem der Himmel die Erde berührt.“
Als ich den Anfang gelesen habe, haette ich nicht erwartet, dass Dein Fazit am Ende doch noch positiv ausfaellt ;-)
AntwortenLöschenMir ging es auch so: an keinem Ort der Welt haben die Massen an Touristen so wenig von der umwerfenden schoenheit der Natur geaendert, wie in der Halon Bucht!