Ich möchte in Indien keine Frau sein, oder anders: Ich möchte in Indien unbedingt ein Mann sein. Wärend wir so durch die Gassen Jaipurs schlendern, vergeht kaum eine Minute, in denen meine weibliche Begleitung (und ich kann es den Indern nicht verübeln, denn Nina und Sarah fallen hier wirklich auf und haben natürlich einiges an weiblichen Reizen zu bieten) auf direkteste und forsche Art angebaggert werden. Dabei muß man wissen, dass die Bezeichnung "girlfriend" hier nicht wirklich existiert und die Frau der indischen Kultur entsprechend eher als Beute denn als Mitmensch betrachtet wird. So ehrlich die Zuneigungsbekenntnisse der Inder auch sein mögen, so befremdlich und seltsam wirken die Flirtgespräche in unseren Augen. Beispiel gefällig? "Hallo, woher kommst Du? Ich bin ein wirklich toller Mann, wollen wir uns heute Abend treffen? Ich hole dich um 18.00Uhr an deinem Hotel ab." (Diese Aneinanderreihung an Sätzen findet tatsächlich ohne Unterbrechung statt.)
Dabei läuft das Ritual folgendermaßen ab: Ich werde gefragt, wer von den beiden hübschen Damen meine Frau sei, ich bekunde, dass ich mit keiner der beiden verheiratet sei, Nina aber meine feste Freundin wäre, und erst jetzt werden die beiden mit indischem Charme, gepaart mit einer großen Portion Hartnäckigkeit und Ausdauer bombadiert.
Das einzige Argument, welches diesen Anflug von mänlichem Jagtinstinkt zumindest für Nina verhindern kann, sind drei schlichte Worte: "Wir sind verheiratet!" Ist uns dieser Satz erst einmal über die Lippen gekommen (und man möge sich denken, mit welchem unsicheren Gefühl der europäische Freiheitsfanatiker diese Worte ausspricht), fällt das stolze Imponiergehabe wie ein Kartenhaus in sich zusammen und zurück bleibt ein etwas verdatteter, aber meist sehr freundlicher Inder, der nicht selten auf einen Chai einlädt.
Nachdem sich meine beiden Damen an der männlichen Zuwendung, ich nenne es einmal "satt gegessen" haben (auch wenn der Tisch noch so reich gedeckt ist, irgendwann schmeckt der Nachtisch einfach nicht mehr), wurde uns diese penetrante Endlosschleife, mit der sich der indische Charm wiederholt, dann teilweise doch zu viel und ich ersann eine neue Strategie: Hier komme ich nun ins Spiel, und ich muss gestehen, nachdem die beiden Damen nun ihr Ego ausführlich aufpolieren durften, hielt ich es nur für angemessen auch einmal selbst im Antlitz meiner doch immerhin vorhandenen Männlichkeit zu baden. "Sind Sie mit einer der Damen verheiratet?" fragten mich einige junge Inder, die man durchaus auch als attraktiv beschreiben könnte. "Ich bin mit beiden Frauen verheiratet" gab ich mit überzeugter Stimme zurück und freute mich diebisch über den überraschten Glanz in den Augen der Inder. Halb bewundernd und respektzollend, halb amüsiert und ungläubig plauderten wir weiter und erörterten die Heiratsgewohnheiten in Deutschland. Diese habe ich hier etwas zu meinen Gunsten kurzfristig überarbeitet, so wie man ein Bild mit einem Glanzlack überzieht, um ihm noch etwas mehr Leuchtkraft zu verleihen. Wir flachsten über die gerade entwickelten deutschen Sitten und ich bekam nach vielerlei Bewunderungsäußerungen, Schulterklopfern und Respektsbekundungen zum Abschluss den vielleicht doch etwas hochgegriffenen, schmeichelnden Titel: "der Maharadscha aus Deutschland" verpasst.
Welchen der deutschen Heiratsbräuche mir die jungen Inder nun tatsächlich abnahmen, kann ich im Nachhinein nicht sagen. Das Lächeln, welches in ihren Gesichtern stand, verrät mir aber, dass sie sehr wohl auch die Spaßkomponente meiner Erzählungen erkannten, mir jedoch dennoch erlaubten, das Spielchen weiterzuspielen.
Tatsache ist aber auch, das meine beiden Freundinnen von keinem dieser jungen Potenzbubis nach dieser Unterhaltung angebaggert wurden, was für die Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit meiner Geschichte spricht und mich nun doch etwas verunsichert zurücklässt (Nicht, dass die indischen Schulbücher sich nun genötigt sehen, ihr Kulturverständnis von Europa zu überarbeiten und das europäische Traditionsverständnis neu geschrieben werden muss).
Schönes Indien! Ich laufe mit zwei der attraktivsten Damen weit und breit durch die Stadt, bekunde lässig, dass ich mit beiden verheiratet sei und geniesse die ehrfürchtigen und bewundernden Blicke der neidisch starrenden Männer. Und stellt sich mir doch mal einer wagemutig in den Weg befehle ich nur: Platz da! Weisst du nicht, wer ich bin? Ich bin's: Der Maharadscha aus Deutschland.

Ihr solltet ein Buch aus Euren Erfahrungen machen! Ihr schreibt soooooooo toll und es macht so Spaß das zu lesen und -jaaaaaaaa-, ich bin sooooo neidisch :-) Alexa
AntwortenLöschenlol (laughing out loud) !!! judith
AntwortenLöschenklasse :) ich kann mir das grad so gut vorstellen :) viel spaß noch maharadscha
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