Montag, September 26, 2011

Zwischen Jaipur und Udaipur

Hunderte singender Studenten machen unseren Nachtzug zu jenem märchenhaften Indien, welches wir aus den Katalogen der Reisebüros kennen. Auf dem Dach des Zuges pulsiert das Leben und verströmt seine Energie in die Stille der Nacht. Wir sind berauscht und erdrückt gleichzeitig von soviel Leben an einem Ort. Das ist es also, was man wohl gemeinhin mit der Magie Indiens versucht zu beschreiben. Eine Beschreibung, die sich im Angesicht des aufkommenden Zaubers, der einen durchströmt, als erstaunlich treffend und passend erweist.
Heute sind auf dem Dach unseres gnadenlos überfüllten Zuges viele Menschen in den Tod gerissen worden. Eine Blutlache von mehreren Quadratmetern bezeugt, was wir uns nicht vorstellen können und läßt die Realität wie eine Klinge in unseren betäubten Verstand hineinschneiden.
Wir werden, benebelt von den Erinnerungen der Nacht, in die Realität gespuckt und fühlen uns schuldig, weil wir beglückt waren von einem Moment der in sich den Tod trug.

Indiens märchenhafte Atmosphäre wird von unbegreiflicher Realität bespielt. So liegen in einem Moment zwei Wahrheiten, die eigentlich nicht miteinander vereinbar sind. Die Überforderung verströmt eine Magie, die an sich selbst zerbricht.
Oder anders: Das Land ist wie ein Tiger, den sein ständiger Hunger zwingt, sich selbst Stück für Stück aufzufressen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen